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Erste Elefantengeburt im Zoo Osnabrück

Am Dienstagmorgen erwartete die Tierpfleger des Osnabrücker Zoos im Elefantenhaus eine ganz besondere Überraschung: Neben der Asiatischen Elefantenkuh Douanita (29 Jahre) und ihrer Tochter Sita (4 Jahre) stand ein weiteres Jungtier auf wackeligen Beinen im Sand. „Wir hatten noch gar nicht mit der Geburt gerechnet. Douanita kam im März tragend mit Sita zu uns aus dem Zoo Prag. Die Kollegen dort hatten angenommen, dass das Jungtier erst im Herbst auf die Welt kommt. Nicht immer kann man den Deckakt genau beobachten und dann den exakten Geburtstermin errechnen“, erklärte Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Mitarbeiter, bei der Vorstellung des neuen Zoobewohners am heutigen Mittwoch. „Wir hatten in den letzten Wochen bereits regelmäßig bei Douanita Blut abgenommen und es zusammen mit Urinproben eingeschickt. Bei beidem wurde der Hormonspiegel untersucht, der Aufschluss über die anstehende Geburt geben kann, aber keine Auffälligkeiten zeigte“, berichtete Wulftange weiter.

Mutter und Schwester umsorgen Junges
Alle Zoomitarbeiter freuen sich über den besonderen Nachwuchs, so auch der langjährige Elefantenrevierleiter und Tierpfleger Detlef Niebler: „Douanita muss das Jungtier in der ersten Nachthälfte geboren haben, denn heute Morgen war es schon komplett trocken. Und es war auch bereits – wenn auch etwas wackelig – auf den Beinen und trank Milch bei seiner Mutter. Schnell konnten wir erkennen, dass es ein kleiner Bulle ist. Sita ist nun ganz die große Schwester und kümmert sich wirklich rührend um ihren kleinen Bruder.“ Junge Elefantenkühe lernen bei ihrer Mutter und anderen erwachsenen Kühen, wie die Jungenaufzucht funktioniert. Der kleine Bulle ist immer an der Seite seiner erfahrenen Mutter, die mit ihm bereits ihr fünftes Jungtier zur Welt brachte. Das Jungtier misst jetzt bereits rund einen Meter und wiegt etwa 90 Kilogramm. „Die Beine von jungen Elefanten sind in Relation zur Körpergröße sehr lang und den Jungtieren fällt es anfangs nicht leicht, sie zu koordinieren. Aber wenn der Kleine über seine Beine fällt, landet er ja im weichen Sand“, schmunzelte Niebler. Die beiden Jungbullen Shahrukh (8 Jahre) und Shanti (9 Jahre) konnten die Geburt von ihren Schlafboxen aus beobachten. „Sie sind sehr neugierig und wir konnten morgens beobachten, dass sie mit dem Jungtier, als es in ‚Rüsselnähe‘ war, bereits vorsichtig Kontakt aufnahmen“, so Niebler. Zurzeit seien die zwei Jungbullen sowie der große Bulle Luka (44 Jahre) getrennt von Douanita, Sita und Minh-Tan und das werde auch so bleiben.

Geschützter Kontakt im Elefantenhaus
„Wir können die Elefanten nun nur beobachten, wir wollen das Familienleben auch gar nicht stören. Wir halten die Elefanten im sogenannten ‚geschützten Kontakt‘, bei dem immer eine Barriere zwischen Mensch und Tier ist. Und so entscheidet Douanita selbst, ob wir Kontakt mit dem Jungtier haben dürfen oder nicht. Wenn nicht, schiebt sie den Rüssel zwischen uns und den kleinen Bullen“, so Niebler. Beim Target Training, einem Training für medizinische Untersuchungen, das mit kleinen Leckereien als Belohnung funktioniert, wird der Nachwuchs erst nur zuschauen. Schließlich ernährt sich der jüngste Zoobewohner in den nächsten Monaten nur von Muttermilch. „Er wird aber mit Sicherheit bei den anderen Elefanten zuschauen und sich viel abschauen – auch wenn wir mit Douanita und Sita in nächster Zeit nur eine ‚abgespeckte‘ Version des Trainings machen werden“, berichtete der Tierpfleger.

Nachwuchs wichtig für Arterhaltung – Zoo hat Arche Noah Funktion
Die Population von Asiatischen Elefanten in europäischen Zoos wird in dem sogenannten Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wissenschaftlich gemanagt. „Dort werden Lebensgeschichte und Verwandtschaftsbeziehungen eines jeden Elefanten registriert, damit ideale Familienkonstellationen mit männlichen und weiblichen Elefanten mittels internationaler Transfers zwischen am Programm beteiligten Zoos entstehen können“, so Zoodirektor Prof. Dr. Michael Böer. Für eine kontrollierte Zucht und somit eine stabile, sich selbst erhaltende Zoo-Population der in ganz Südostasien stark gefährdeten Asiatischen Elefanten sei dies notwendig. „Der Beginn der Elefantenzucht in Osnabrück ist ein wichtiger Beitrag dazu, denn mit circa 15 Geburten pro Jahr bei einem Gesamtbestand von circa 300 Asiatischen Elefanten in europäischen Zoos kann diese Populationsgröße in etwa 20 Jahren durch nachwachsende Jungtiere komplett erhalten bleiben – das ist ein großer Erfolg für die Arterhaltung in Obhut des Menschen unabhängig von der schwierigen Situation in der Wildbahn aufgrund der Lebensraumzerstörung“, so Böer weiter. Dieser hatte die Osnabrücker Elefantengruppe von Afrikanischen auf Asiatische Elefanten umgestellt, um so die Nachzucht der stark bedrohten Tierart zu unterstützen.

Im Rahmen der Zuchtbuchkoordination und aufgrund der derzeitigen sozialen Situation mit einer Mutterfamilie und mehreren großen Elefantenbullen werden die beiden Jungbullen Shahrukh und Shanti, die seit 2013 im Osnabrücker Zoo leben, den Schölerberg verlassen. „Die beiden sind bald geschlechtsreif und können dann in Zuchtgruppen oder Junggesellen-Gruppen integriert werden“, so Böer. Bis zum Eintreffen der Mutterfamilie aus Prag im Frühjahr dieses Jahres lebten Shahrukh und Shanti mit dem Zuchtbullen Luka in einer Junggesellengruppe. Luka, Douanita, Sita und Minh-Tan werden in Osnabrück bleiben.

Zoopräsident Reinhard Sliwka begrüßte den besonderen Nachwuchs im Namen des Zoovereins, der Zoogesellschaft Osnabrück e.V.: „In 81 Jahren ‚Zoo Osnabrück‘ und 56 Jahren Elefantenhaltung freuen wir uns über die erste Elefantengeburt am Schölerberg. Neben dem Artenschutz gehört die Bildung zu den Hauptaufgaben von Zoos. Wir hoffen, dass wir dank unseres jungen Elefanten Wissen über die Dickhäuter, ihre Sozialstrukturen, aber auch ihren Schutz vermitteln können“, berichtet Sliwka weiter.

Besucher können den Jungen Minh-Tan, wie die Zoo-Tierpfleger ihn nannten und was auf Vietnamesisch „Glück“ bedeutet, entweder vom Besucherbereich des Elefantenhauses oder von der Plattform am kleinen Elefantenvorhof beobachten – hier soll er zunächst sein neues Zuhause kennenlernen. Später wird er auch auf der gesamten Außenanlage zu sehen sein.

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Wissenswertes zu Asiatischen Elefanten
Asiatische Elefanten sind etwas kleiner als Afrikanische, erreichen aber trotzdem eine Körpergröße von drei Metern und ein Gewicht von bis zu sechs Tonnen. Sie sind die größten Landsäugetiere Asiens. Asiatische Elefanten ernähren sich von Ästen, Blättern, Baumrinden, Wurzeln, Früchten und Gräsern und benötigen täglichen Zugang zu Wasser. Sie leben überwiegend in Regenwäldern und immergrünen Laubwäldern. Die Schwangerschaft eines Asiatischen Elefanten dauert fast zwei Jahre und das Junge kommt meinst mit mehr als 100 Kilogramm Körpergewicht auf die Welt. Die Dickhäuter leben in Herden, bestehend aus Weibchen zusammen mit ihrem Nachwuchs. Alte Bullen leben als Einzelgänger, junge hingegen in Junggesellengruppen. Von der Weltnaturschutzorganisation IUCN wird der Asiatische Elefant als „stark gefährdet“ eingestuft.

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