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Brescia – Stadt der legendären 1000 Meilen

Zu den Schmuckstücken, die das Mille Miglia-Publikum in diesem Jahr zu Gesicht bekommt, gehören mehrere Alfa Romeo 6C 1750 mit von der Designschmiede Zagato entworfener Karosserie. Für Gänsehaut bei Liebhabern historischer Renngeschosse dürfte auch das Wiedersehen mit Ferrari 340 America Spider Vignale und 275/340 America Scaglietti sorgen. Die Sportwagen, von den Italienern speziell für den amerikanischen Markt entwickelt, waren in den 1950er Jahren die leistungsstärksten und teuersten Pferde im Ferrari-Stall. Rund 70 Jahre später treffen sie bei der Mille Miglia wieder auf eine Legende mit Stern – den Mercedes-Benz 300 SL. Gleich elf Exemplare dieses Modells gehen in diesem Jahr in Brescia an den Start, darunter ein Prototyp, den die Stuttgarter 1952 auf der 1000-Meilen-Strecke einem Härtetest unterzogen hatten. Noch ein Vierteljahrhundert mehr haben die OM 665 „Superba“ auf dem Buckel. Mit Wagen dieses Typs hatte die italienische Autoschmiede „Officine Meccaniche“ 1927, bei der ersten Mille Miglia der Geschichte, über alle Konkurrenten triumphfiert.

Nur wenige Monate zuvor, im Dezember 1926, hatten vier Automobilenthusiasten in Brescia, der nach Mailand zweitgrößten Stadt der Lombardei, Pläne für eine Sportwagen-Leistungsschau geschmiedet, von der die Welt sprechen sollte. Rom, 800 Kilometer von Brescia entfernt, wurde als Wendepunkt auserkoren. Da die Gesamtstrecke von rund 1600 Kilometern einer Distanz von 1000 Meilen entspricht, war der Name des Rennens geboren – Mille Miglia –Tausend Meilen.

Ein Rennfahrer, der auch Opernsänger war

In den frühen Jahren dominierte Alfa Romeo die jährliche Leistungsschau. Fast die Hälfte der zwischen 1927 und 1957 ausgetragenen Mille Miglia-Rennen entschied die Mailänder Autoschmiede für sich. Auch dank waghalsiger Piloten wie Giuseppe Campari, der nicht nur Rennfahrer, sondern Opernsänger war. Nach dem Weltkrieg geschuldeter Zwangspause wurde die Rennserie 1947 fortgesetzt, obgleich die Straßen in schlechtem Zustand und Gummireifen Mangelware waren. Zehn Jahre später traten die Piloten zur letzten Mille Miglia alten Zuschnitts an. Nach tragischen Unfällen wurde das Straßenrennen verboten. 1977 wurde die Mille Miglia neu aufgelegt – als Parade historischer Autotypen, die zwischen 1927 und 1957 mindestens einmal in Brescia an den Start gegangen waren.

Inzwischen hat sich die Veranstaltung ein neues Logo gegeben. Mille Miglia schreibt sich 1000 Miglia und will 2021 auch wieder Leistungsschau automobiler Innovationen sein. Unter dem Motto „Crossing the Future” präsentieren sich Fahrzeuge mit Elektroantrieb, Supercars und Hypercars auf einem extra eingerichteten Parcours. Für die historischen Sportwagen dagegen geht es bei der 1000-Meilen-Fahrt längst nicht mehr um Geschwindigkeitsrekorde, sondern um die Zuverlässigkeit einer gut gepflegten Antriebstechnik, um Fahrgeschick und ums Sehen-und-Gesehen-Werden. Bevor sich die Sieger am 19. Juni in Brescia küren lassen, wird auch die 1000 Miglia 2021 einen Abstecher an den Gardasee machen. In den eleganten Badeorten Sirmione am Südufer und Salò am Westufer werden sich Autos und Fahrer bejubeln lassen.

Sightseeing in und um Brescia

Für Teilnehmer und Zuschauer ist die Mille Miglia immer auch ein Anlass, in Brescia auf Erkundungstour zu gehen. In einem ehemaligen Kloster residiert das Mille Miglia Museum, wo Besucher dem Enthusiasmus der Rennpioniere für die große Freiheit auf vier Reifen nachspüren können. Die vibrierende Großstadt wartet aber noch mit anderen Schätzen auf. Stolz sind die Brescianer auf ihre Vittoria Alata, eine großformatige Bronzefigur aus dem 1. Jahrhundert.
Nach ihrer Restaurierung kann man die geflügelte Siegesgöttin nun wieder im Kapitolinischen Tempel bewundern. Der Tempel ist Teil des Archäologischen Parks, des größten seiner Art in Norditalien, der Brescias Vergangenheit als antike römische Stadt Brixia aufleben lässt. Zum UNESCO-Welterbe gehört der Park ebenso wie der benachbarte Ausstellungskomplex Santa Giulia mit Resten römischer Domus, Kirchen und Kreuzgängen und einem Meisterwerk langobardischer Goldschmiedekunst.

Zu kulinarischen Entdeckungen laden die quirlige Stadt, in der die italienische Aperitif-Kultur zelebriert wird wie nirgendwo sonst, und ihr vielseitiges Umland gleichermaßen ein. Quasi vor der Haustür liegen Garda-, Idro- und Iseosee, das Weingebiet Franciacorta, die Voralpentäler Val Trompia, Val Sabbia und Val Camonica. Fisch, Olivenöl, Käse, Wein – überall locken authentische Genüsse. Selbstverständlich macht es Spaß, die Gegend in einem schmucken Oldtimer zu erkunden. Brescias Umland empfiehlt sich aber auch als exzellentes Fahrrad-Terrain.

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