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Bundestrainer Joachim Löw: Ich habe mir einen Panzer zugelegt

Joachim Löw spricht im großen Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT erstmals über die Last und die Leere, die er in seiner 15-jährigen Zeit als Bundestrainer erlebt hat. Es sei furchtbar gewesen, so Löw, alt gedienten Spielern mitzuteilen, dass sie nicht mehr zum Team gehören. „Natürlich berührt mich das, sehr sogar. Manchmal liege ich nachts wach. Ich bin doch auch ein Mensch!“ Auf die Frage, warum er sich nicht richtig über den Weltmeistertitel in Brasilien freuen konnte, antwortet Löw: „Nach dem Turnier war ich nicht weit weg von einer depressiven Verstimmung. Nach jedem Turnier ist da eine Leere.“ Der 61-Jährige hatte sich nach dem WM-Titel zurückgezogen und ein Haus auf Sardinien gemietet. „Ich saß da und dachte: Jetzt bin ich hier so allein, wo sind meine Leute, wo ist mein Team, wo sind meine Spieler, wo sind die Ziele?“

Bereits während der WM 2014, zum Zeitpunkt der großen Euphorie nach dem 7:1 gegen den Gastgeber Brasilien, fühlte Löw diese Einsamkeit: „Es war vielleicht das schönste Spiel meiner Karriere, aber es war für mich als Trainer zu viel!“

Dieses „Wellenbad der Gefühle“ habe ihn „verschlossener“ gemacht, bilanziert Löw: „Das ist der Preis dieses Lebens als Bundestrainer. Ich habe mir natürlich so etwas wie einen Panzer zugelegt. Vor allem, als mir so richtig bewusst wurde, eine Person des öffentlichen Lebens zu sein.“ An manchen Tagen sei das „eine schwere Belastung, da sehne ich mich nach Anonymität. Leider gelingt es mir nicht immer, diesen Panzer im privaten Leben einfach abzulegen“. Richtig glücklich, sagt der Bundestrainer, sei er zuletzt ganz am Anfang seiner Trainerlaufbahn gewesen: „So richtig gefreut habe ich mich in den Anfängen meiner Vereinstrainerzeit im ersten Jahr, bei der Amateurmannschaft. Da war die Freude am reinsten.“

Erstmals spricht Löw auch über den Umgang mit dem Thema Homosexualität im Fußball. In der Gesellschaft sei die Offenheit vorhanden, sagt Löw, im Fußballmetier weniger: „Obwohl sich schon wahnsinnig viel getan hat, fehlt sie aber vielleicht noch ein bisschen im Stadion.“ Auf die Frage, ob er sich trotzdem bekennen würde, wenn er selbst homosexuell wäre, antwortet er: „Dann würde ich dazu auch stehen.“

Bedauern zeigt der Freiburger im Gespräch mit der ZEIT darüber, keine Kinder zu haben. „Mit 25, 30 oder 35 Jahren habe ich das noch nicht so gesehen. Da konnte ich es mir vielleicht nicht vorstellen, habe das Thema verdrängt oder weggeschoben. Die letzten zehn Jahre denke ich aber schon immer wieder daran oder darüber nach, wie es gewesen wäre, Kinder zu haben.“

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