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„Sport ist Schwimmen im Pool, Wirtschaft ein Haifischbecken“ / Von Medaillengewinnern zu erfolgreichen Start-up-Gründern: Ex-Slalomkanuten Erik und Stefan Pfannmöller im Doppelinterview

Erik und Stefan Pfannmöller gewannen als
Weltklasse-Athleten im Kanu-Slalom WM- und Olympia-Medaillen. Nach der
sportlichen Karriere suchten die Brüder neue Herausforderungen als
Start-up-Gründer in der freien Wirtschaft, bauten millionenschwere Unternehmen
auf. Im Doppelinterview im aktuellen go!d-Magazin der Deutschen Sporthilfe
sprechen sie über den schwierigen Übergang von der sportlichen in die berufliche
Karriere, das Leben als Gründer und das Haifischbecken freie Wirtschaft.

Deutsche Sporthilfe: Stefan, Erik, Ihr seid nicht nur Brüder, sondern habt auch
die gleiche Sportart betrieben und seid zudem inzwischen beide als Unternehmer
tätig. Vergleicht Ihr Euch ständig miteinander?

Erik Pfannmöller: Durchaus. Ich finde es zum Beispiel blöd, dass Stefans
Wikipedia-Artikel häufiger aufgerufen wird als meiner. (lacht)

Stefan Pfannmöller: Im Sport war es ein Vorteil, dass wir aufgrund des
Altersunterschieds nie direkt gegeneinander im Wettkampf standen. Jeder hatte da
seine eigenen Erfolge. Und jetzt im Unternehmertum merken wir, wie irrelevant
der Vergleich mit anderen ist. Formel-1-Rennfahrer Lewis Hamilton sagt immer, er
versuche, die beste Version seiner selbst zu sein. Heißt, das einzige, an dem
man arbeiten kann, ist man selbst. Es gibt immer jemanden, der besser ist, aber
das sollte als Motivation dienen.

Erik: Ich würde deshalb schon sagen, dass wir kompetitive Menschen sind. Aber es
ist wichtig, bei sich zu bleiben und darauf zu schauen, was man selbst schafft.
Ich freue mich, wenn Stefan erfolgreich ist. Wir sehen das als
gemeinschaftlichen Familienerfolg.

Deutsche Sporthilfe: Nach Weltklasseniveau im Sport musstet Ihr als Unternehmer
zunächst wieder ganz klein anfangen. Wie schwer fiel dieser Neustart?

Erik: Die Umstellung ist schwierig. Im Sport zählen Leistung, Fairplay und
Miteinander. In der freien Wirtschaft herrscht ein härterer Umgang
untereinander. Es wird dir nichts geschenkt. Sport ist eher Schwimmen im Pool,
in der Wirtschaft ist es ein Haifischbecken.

Stefan: Am Anfang empfand ich das als riesen Problem. Es gibt erst einmal
keinerlei Anerkennung. Als Sportler bekomme ich, wenn ich erfolgreich bin,
soziale Anerkennung und Wertschätzung in Form einer Medaille. Das gibt es als
Unternehmer nicht.

Erik: Doch, ich finde, das gibt es schon. Nämlich, wenn ein großer Kunde einen
Vertrag unterzeichnet, das ist dann ähnlich wie eine Medaille. Aber ansonsten
passiert es in der Tat selten, dass jemand sagt: „Das ist aber toll, was ihr da
macht.“ Deshalb muss man selbst definieren, was man als Erfolg wahrnimmt und
sich Ziele setzen.

Stefan: Das musste ich aber erst lernen. Man arbeitet ohne Ende, aber keiner
sagt einem, dass es gut ist, was man tut. Aus dem Grund ist es auch so wichtig,
dass die Sporthilfe einen Blick auf die Karriere nach dem Sportlerdasein wirft.

Deutsche Sporthilfe: Warum habt Ihr Euch beide für das Unternehmertum
entschieden, was fasziniert Euch daran, denn es ist ja auch Risiko-behaftet?

Erik: Ich glaube, Unternehmer zu sein ist eine Sache, die steckt in einem drin.
Als ich das Gefühl hatte, im Sport alles erreicht zu haben, spürte ich eine
Unzufriedenheit und wollte nach etwas Neuem streben. Mein Bruder ist viereinhalb
Jahre älter, bei ihm habe ich gesehen, wie es ist, Unternehmer zu sein. Dadurch
ist der Wunsch auch in mir gewachsen. Im Leben kommt es nicht auf Sicherheit an,
sondern darauf, etwas zu erreichen und etwas zu tun. Ich habe nie daran
gezweifelt, dass es das Richtige für mich ist.

Stefan: Ich habe Ideen und will diese umsetzen. Ich habe ein ziemlich gutes
Gefühl, ob ich links oder rechts gehen muss. Das ist, glaube ich, eine wichtige
Führungseigenschaft. Ich schaffe es auch, Menschen zu begeistern und
mitzureißen. Und ich ordne mich nicht so gerne unter, sondern bin lieber selbst
der Chef.

Deutsche Sporthilfe: Welche Rolle spielt dabei das Geldverdienen?

Stefan: Geld ist das Mittel, mit dem du Sachen verändern kannst. Dabei geht es
aber nicht um das Interesse, reich zu werden. Die Bedeutung von Kapital ist für
mich nicht der Konsum, sondern Unternehmen oder Organisationen aufzubauen, mit
denen man etwas verändern kann. Wenn man die Welt verändern möchte, braucht man
dazu Kapital, und mit mehr Kapital kann man auch mehr verändern. Unsere Eltern
sind Wissenschaftler, da schaue ich immer neidisch drauf, sie entwickeln etwas,
können die Welt zum Beispiel mit einem Katalysator verändern. Wissenschaftler
haben Ideen, und Unternehmen führen diese dann aus. Es gibt da viele Wege. Egal,
ob Wissenschaftler, Unternehmer, Künstler oder Sportler – jeder ist Vorbild an
verschiedenen Stellen.

Deutsche Sporthilfe: Habt Ihr das Gefühl, dass Ihr aufgrund Eurer sportlichen
Erfolge beim Berufseinstieg anders behandelt oder bevorzugt wurdet?

Erik: Sport ist ein super Türöffner. Mit Leistungssport verbinden die meisten
Attribute wie Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit, das sind zwei unglaublich
wichtige Eigenschaften. Dadurch erhält man einen Vertrauensvorsprung, kommt
leicht ins Gespräch und mögliche Investoren stehen einem positiv gegenüber.

Stefan: Ich glaube auch, ich hätte nie Geld von einem Investor bekommen, hätte
ich nicht die Olympiamedaille gewonnen, von daher hat sich diese gleich mehrfach
bezahlt gemacht. Ich habe meine Stärken als Sportler ausgespielt. Damals wurde
studi.vz als heißestes Start-up in Deutschland gehandelt, und ich dachte mir:
„Wieso gibt es sowas nicht für Sportler?“ Als Sportler ein Netzwerk für Sportler
zu kreieren, das war mein USP. Deshalb konnten wir im Pitch vor den Investoren
mit „Netzathleten“ auch schnell überzeugen. Sport ist super positiv besetzt, und
die Menschen nehmen einen entsprechend wahr. Prominente Sportler, wie
beispielsweise ein Felix Neureuther, könnten ohne Probleme eine Marketingagentur
aufbauen.

Deutsche Sporthilfe: Wie wichtig ist Fachwissen dabei?

Stefan: Am Anfang ist es wichtig, sich Fachwissen anzueignen, auch über
Arbeitsverträge und anderes, aber irgendwann ist das trivial. Natürlich weiß
ich, dass ein Unternehmen gut läuft, wenn es Gewinn macht, dazu muss ich keine
fünf Jahre BWL studieren. Wichtiger sind grundlegende Eigenschaften wie
Zielstrebigkeit, Optimismus. Ich bin am Anfang einfach ins kalte Wasser
gesprungen. Man lernt in solchen Situationen am schnellsten, hat Lernkurven wie
nirgendwo anders.

Erik: Als Anfänger muss man aber brutal aufpassen. In meine erste Firmengründung
bin ich sehr blauäugig gegangen. Da habe ich die Erfahrung gemacht, dass man im
Geschäftsleben knallhart übers Ohr gehauen wird, wenn man sich nicht vorher
überlegt, ob der andere den gerade unterzeichneten Vertrag missbrauchen könnte.
Ich habe damals im wahrsten Sinne des Wortes Lehrgeld bezahlen müssen. Seitdem
habe ich mir angewöhnt, ein „Was wäre wenn“-Szenario durchzuspielen.

Stefan: Es schadet nicht, wenn man als junger Mensch erstmal nichts zu verlieren
hat und das Risiko ein bisschen hochdreht. Dann kommen auch erst einmal viele
Probleme und die ein oder andere schlaflose Nacht. Aber irgendwann merkt man,
dass sich die Welt trotzdem weiterdreht und es für alles eine Lösung gibt. Das
ist spannend. Man kann mit allen Problemen auch die Welt entdecken. Ich sage
immer, Unternehmer sind Problemlösungsmaschinen, und das ist etwas Tolles.

Deutsche Sporthilfe: Was war die größte Hürde vor der Ihr – aus beruflicher
Sicht – standet?

Erik: Die größte Herausforderung ist es, wenn man als Geschäftsführer keinen
Ausweg mehr sieht und trotzdem die Energie aufbringen muss, die Probleme zu
lösen, jeden Tag aufs Neue. Ich sage immer, es gibt einen „Hell-yeah“-Tag und
neun „Shit-no“-Tage. Aus diesem einen guten Tag muss man wieder neue Energie
schöpfen. Diese Energie aufzubringen ist die größte Herausforderung, als
Unternehmer muss man immer ans Limit gehen.

Deutsche Sporthilfe: Wohin führt Euch das, welche Ziele verfolgt Ihr weiter?

Erik: Jeder gute Unternehmer führt eine Liste mit möglichen Ideen für neue
Projekte, auch wenn er gerade eine Firma hat. Auch ich habe jetzt schon neue
Ideen und würde gerne die nächste Firma gründen, aber man muss sich als
Unternehmer auch fokussieren.

Stefan: Mein unternehmerisches Denkmal habe ich noch vor mir, was auch immer das
bedeutet. Ich versuche, immer innovative Geschäftsmodelle und Start-ups zu
entwickeln. Dabei spielt Geschwindigkeit eine wichtige Rolle. Man muss zur
richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Abdruck: honorarfrei. Quelle: Deutsche Sporthilfe

Das Interview ist aktuell erschienen in „go!d – Das Magazin der Deutschen
Sporthilfe“. Darin finden Sie auch folgende Themen:

– Ski alpin: Nach dem Rücktritt von Felix Neureuther beginnt eine
neue Ära
– Boxen: Die zwei Welten der Nadine Apetz
– Tokio 2020: Klettern vor Olympia-Premiere
– Fototermin: Kofferpacken mit dem Rodel-Doppelsitzer
Eggert/Benecken

Das aktuelle go!d-Magazin online: https://bit.ly/2Y295MB

Pressekontakt:
Stiftung Deutsche Sporthilfe
Fabian Müller
Otto Fleck-Schneise 8
60528 Frankfurt am Main
Tel: 069/67803 – 514
Fax: 069/67803 – 599
E-Mail: fabian.mueller@sporthilfe.de
Internet: www.sporthilfe.de

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/51413/4457132
OTS: Stiftung Deutsche Sporthilfe

Original-Content von: Stiftung Deutsche Sporthilfe, übermittelt durch news aktuell

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