Weniger Programm, mehr Zeit vor Ort. Laut dem Outlook Report 2026 der European Travel Commission wächst dieser Wunsch weiter: Der Anteil der Reisenden, die bewusst langsamer reisen möchten, stieg von 22 Prozent im Jahr 2025 auf 26 Prozent im Jahr 2026.
Genau dafür eignen sich viele Dörfer in Türkiye besonders gut. Zwischen Küstenregionen, Bergen und ländlichen Gegenden Anatoliens findet man Orte, in denen Traditionen bis heute den Alltag bestimmen. Besucher erleben lokale Küche, alte Handwerkskunst und ein Dorfleben, das vielerorts deutlich langsamer wirkt als in den Städten. Einige dieser Orte wurden bereits von UN Tourism im Rahmen des Programms „Best Tourism Villages“ ausgezeichnet. Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Slow Travel in Türkiye aussehen kann.
Barbaros: Barbaros: Das Dorf der Gastfreundschaft und der Vogelscheuchen
Barbaros bei Urla in ?zmir ist rund 700 Jahre alt und wirkt auf viele Besucher fast wie aus der Zeit gefallen. Kleine Steinhäuser, enge Gassen und alte Fensterläden prägen das Bild. Wer hier übernachtet, wohnt oft in restaurierten Dorfhäusern oder kleinen Pensionen und kommt schnell mit Einheimischen ins Gespräch.
Besonders bekannt ist Barbaros für die sogenannte Çat Kap? Tradition. Ein kleines Zeichen an der Tür zeigt an, dass Gäste willkommen sind und hausgemachtes Essen serviert wird. Auf den Tisch kommen Gerichte mit Olivenöl aus der Region, Gemüse aus dem eigenen Garten und viele frische Kräuter. Typisch ist etwa Katmer mit handgemachtem Käse, Petersilie und Zwiebeln. Im Frühling ernten die Dorfbewohner Karaba?otu (eine Lavendelart), was dem Charakter des Dorfes eine weitere sinnliche Dimension verleiht.
Im September wird es etwas lebhafter. Dann findet das Oyuk Festival statt, bei dem handgemachte Vogelscheuchen durch die Straßen getragen werden. Viele bleiben danach im Dorf stehen. Dadurch wirkt Barbaros fast wie eine kleine Freiluftausstellung.
Und wer tagsüber Wein und gutes Essen sucht, erreicht nach wenigen Minuten die Urla Vineyard Route. Dort befinden sich einige der bekanntesten Restaurants von Türkiye.
Kale Üça??z und Ormana: Vom Juwel an der Küste zum Rückzugsort in den Bergen
An der Küste von Antalya liegt Kale Üça??z. Das kleine Dorf ist ruhig, direkt am Wasser gelegen und vor allem für seine Mischung aus Geschichte und Natur bekannt. Zwischen Steinhäusern, kleinen Restaurants und Werkstätten führt der Weg hinunter zum Hafen.
Viele Besucher starten von hier Bootstouren oder Kajakfahrten. Andere kommen wegen des Lykischen Wegs, denn einer der bekanntesten Fernwanderwege der Welt führt ganz in der Nähe vorbei. Auch Myra und die Nikolauskirche in Demre sind schnell erreichbar.
Ganz anders wirkt Ormana im Taurusgebirge. Das Dorf ist vor allem für seine historischen Knopfhäuser bekannt. Sie bestehen aus Stein und Zedernholz und wurden ohne Mörtel gebaut. Viele dieser Häuser sind heute kleine Hotels.
Ormana lebt stark von regionalen Produkten. Auf den Speisekarten stehen Morcheln, Kräuter aus der Umgebung, Traubenprodukte und Ziegenkäse. Auch die traditionelle G?lam?k Seidenweberei gehört bis heute zum Dorf.
Wer länger bleibt, entdeckt in der Umgebung den unterirdischen See der Alt?nbe?ik Höhle, die wilden Pferde der Eynif Ebene oder die Überreste alter Handelswege und die Ruinen von Tol Han erinnern an die alten Seidenstraßen, die einst hier vorbeiführten. Ormana wird zudem in den Top-Reisen für Nachhaltigkeit von GoTürkiye als eines der eindrucksvollsten Beispiele für traditionelle Architektur und nachhaltigen ländlichen Tourismus im Land vorgestellt.
An?tl?: Eine Reise ins Mittelalter in Tur Abdin
An?tl? im Bezirk Midyat fühlt sich ganz anders an als viele andere Orte in Türkiye. Das Dorf liegt in der Region Tur Abdin, die bis heute stark von syrisch christlicher Kultur geprägt ist. Honigfarbene Steinhäuser, Kirchen und Klöster bestimmen das Ortsbild.
Ganz in der Nähe liegt das Mor Gabriel Kloster. Es wurde bereits 397 gegründet und gilt als ältestes noch aktives syrisch orthodoxes Kloster der Welt. In An?tl? selbst bietet die Marienkirche ein besonders authentisches Erlebnis, da dort alle 15 Tage regelmäßig Gottesdienste und Morgenmessen stattfinden.
Auch kulinarisch hat die Region ihren eigenen Charakter. Hausgemachter syrischer Wein, Kichererbsenbrot, syrisches Börek, eingelegtes Gemüse und Süßigkeiten mit Mandeln gehören zu den Spezialitäten. Die Esskultur von Mardin findet aufgrund der Verwendung lokaler Gewürze, der Kombination von Fleisch und Obst sowie handwerklicher Traditionen zunehmend Anerkennung.
Das ländliche Leben lässt sich hautnah erleben, indem man Schafe melkt oder bei der Ernte mitanpackt. Auch kulturelle Veranstaltungen erwecken die Region zum Leben: Das Internationale Filmfestival SineMardin, das Internationale Kultur- und Kunstfestival von Midyat, das Harire-Weinfest und die Mardin-Biennale bieten jeweils einen lebendigen Einblick in diese reiche, facettenreiche Kulturlandschaft. Besucher übernachten meist in den Steinhäusern von Midyat, 20 km von An?tl? entfernt, von denen viele in beliebten türkischen Fernsehserien zu sehen waren – doch die stimmungsvollste Option bleibt eine Übernachtung im Dorfkirchenkomplex selbst.
Bildmaterial ist über die GoTürkiye Media Gallery verfügbar.
