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Man spricht „taitsch“ im Bersntol

Das Fersental im oberen Valsugana zweigt bei Pergine-Persen westwärts ins Lagorai ab. Bei seinen Bewohnern heißt es seit Jahrhunderten „Bersntol“. Gäste tauchen hier in eine Urlaubswelt ein, deren Bewohner einen starken Hang zu Traditionen, Natur und ihrer eigenen Kultur haben.

Die eigenständige „Bersntoler Sproch“ geht auf das Hochmittelalter zurück. Ab Ende des 13. Jahrhunderts ließen sich Bergleute und Bauern aus Nord- und Südtirol im Fersental („Valle dei Mocheni“) nieder und brachten ihre stark tirolerisch geprägte Mundart mit. Die Kontakte nach draußen beschränkten sich im Laufe der Jahrhunderte weitgehend auf die ortsansässigen „Kromer“, die ihr Wanderhandel mit Hinterglasmalerei, Stoffen und Krämerware im Winter bis ins Tirolerische führte. So wird bis heute in der Talgemeinschaft hauptsächlich das mittelhochbairisch geprägte „Bersntolerisch“ gesprochen und geschrieben.

„Guat kemmen en Bersntol“

Mit „Guat kemmen en Bersntol“ wird man auf einem Schild am Taleingang willkommen geheißen. Ab da liest man im 700 bis 1.000 Meter hoch gelegen Tal inmitten des Lagorai Dorf- und Siedlungsnamen wie Eichleit, Gereut, Florutz, St. Franz und St. Felix. Nur der Hauptort Sant’Orsola Terme in der Mitte des Fernsentals ist hauptsächlich italienisch geprägt. Am Talschluss schlängelt sich die Bergstraße hinauf bis Palai en Bersntol. Von dem Ort auf etwa 1.360 Metern überblickt man das darunterliegende Valsugana. Ein Stück talauswärts entspringt der namensgebende Fersenbach, der das gesamte Tal bis Pergine durchquert. In Palai liegt auch das Bersntoler Kulturinstitut, das sich für den Erhalt der eigenständigen Kultur und Sprache einsetzt. Und auch wenn diese hier oft nur „taitsch“ genannt wird, haben die Bersntoler heute ein eigenes Wörterbuch und eine Grammatik.

Wandergenuss im „verzauberten Tal“

Erhalten haben sich die „Berntoler“ nicht nur ihre eigene Sprache und Kultur, sondern auch eine einzigartige Landschaft. Die westlichen Gipfel des Lagorai ragen bis zu 2.400 Meter hoch in den Himmel. Unterhalb breiten sich dichte Lärchen- und Fichtenwälder sowie weitläufige Weideflächen aus. In dem Tal wird noch großteils Viehhaltung betrieben. Wer gerne wandert, egal ob anspruchsvoll oder gemütlich, hat unendliche Möglichkeiten, die herrliche Landschaft dieses „verzauberten Tales“ für sich zu erforschen. Nur einer von vielen Tipps ist der Erdemolosee auf 2.000 Meter Höhe, den man nach etwa zwei Stunden Fußmarsch erreicht. Anspruchsvoll ist die Tour auf die Cima d–Ezze (2.351 m), die auf dem „Sentiero Delio Pace“ und Steigen der Gebirgsfront des Ersten Weltkriegs vorbei an der traumhaft schönen Sette-Selle-Hütte durch die Lagoraigruppe führt. Am Südkamm des Fersentales verlief im ersten Weltkrieg eine Front. Der österreichische Schriftsteller Robert Musil war als Soldat im Tal stationiert und siedelte seine Novelle „Grigia“ hier an. Der schon zu Lebzeiten hoch geschätzte Autor wäre im vergangenen Jahr seinen 140 Jahre alt geworden. Sein Werk war zeitlebends stark von der eigenen Existenz und dem Zeitgeschehen beeinflusst – auch von der zerfallenden k. u. k.-Monarchie ab, die er in seinem „Mann ohne Eigenschaften“ Kakanien nannte.

Kulinarische Reise bis in die Zweitausender

Wunderschön sind auch die vielen weiteren ursprünglichen Schutz- und Almhütten mit Steinmauern, auf denen man zum Teil selbstgemachte Butter, Käse und Ricotta bekommt. Bekannt ist das Tal außerdem für die köstlichen Wildbeeren aus Sant’Orsola Terme. Heidel-, Erd- und Himbeeren sowie Johannisbeeren wachsen hier auf etwa 900 Metern und zeichnen sich durch ihren intensiven Geschmack aus. Auch auf dem Speisezettel der Wirtshäuser und Restaurants haben die Bersntoler ihre sprachlich-kulturellen Spuren hinterlassen: in Form von Kropfen, Pinza, Kiachl und Rufioi, die man unbedingt probieren sollte.

Von den Bergmandln bis zur Wassermühle

Der einstige Gold-, Kupfer-, Pyrit-, Quarz- und Fluorit-Bergbau hat Kultur und Traditionen im Fersental stark geprägt. Davon erzählen die vielen Legenden und Sagen – und auch Bräuche wie die Fasnacht am „Leschtn“. Erst seit einigen Jahren ist eine alte Kupfermine aus dem 16. Jahrhundert zugänglich, die Grua vo Hardömbl in Palai. S’pèrgmandlhaus ist ein kleines Museum, das sich der Arbeit und dem Leben der Bergleute widmet. Das Museum Pietra Viva bei Sant’Orsola führt auf vier Etagen durch die Welt der Mineralien. Die typischen Bergbauernhöfe in Blockbauweise mit Holzschindeldächern werden auch heute noch gebaut. Historisch wertvoll und sehenswert sind der restaurierte Filzerhof in Florutz aus dem 15. Jahrhundert, und die alte Wassermühle „De Mil“ in Garait. Wer sich bei seinen Erkundigungen in die Welt der Bersntoler hineingelebt hat, wird gerne wiederkommen, um wieder ein paar neue Seiten des vielseitigen Tales kennenzulernen. www.valledeimocheni.it

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