Zehnjährige auf dem Podium des Finales: So funktioniert inklusiver Regattasport

Zehnjährige auf dem Podium des Finales: So funktioniert inklusiver Regattasport

Bütgenbach/Hamburg, 20. September 2026. Das SALTO SAILING Team Norway hat den Heinz Kettler Deutschland Cup 2026 gewonnen und beim Finale in Belgien auch den 3. Spieltag für sich entschieden. Auf dem Podium dieses Spieltags stand ein Team, in dem eine zehnjährige Seglerin an Bord war: Team Sophia wurde Dritter, hinter dem Gesamtsieger und dem Alster HSC mit den Dritten der Para-Europameisterschaft 2026. Möglich ist das, weil in dieser Serie niemand nach Art der Behinderung eingeteilt wird: Alle Crews segeln dieselben Boote, in denselben Wettfahrten, in derselben Ergebnisliste.

Der 3. Spieltag in Bütgenbach war zugleich der erste, der in der Geschichte der Serie außerhalb Deutschlands gesegelt wurde – beim Royal Yacht Club Warche in Ostbelgien. 2026 gingen 21 Teams aus vier Nationen in die Gesamtwertung ein.

EINE SERIE, EINE ERGEBNISLISTE

Gesegelt wird nach Inklusionsregeln, die vor Jahren eigens für diesen gemeinsamen Regattasport entwickelt wurden. Sie sind bewusst einfach gehalten: Mindestens ein Mitglied jeder Crew muss eine Behinderung haben. Eine Einteilung nach Art der Behinderung gibt es nicht, ebenso wenig getrennte Klassen oder getrennte Wertungen. Teilhabe heißt hier nicht Rücksicht, sondern gleiche Bedingungen – wer gewinnt, hat die besseren Wettfahrten gesegelt.

Seit Para-Segeln nach den Paralympischen Spielen 2016 in Rio nicht mehr zum paralympischen Programm gehört, ist die Serie eine der wenigen Plattformen für ambitionierten inklusiven Regattasport in Europa.

Dass das Modell über den Regattasport hinaus wirkt, war schon am Freitag vor dem Finale zu sehen: Eine Schulklasse aus Bütgenbach war zum Probesegeln auf dem See – vom Opti bis zur RS Venture Connect.

DER 3. SPIELTAG IN BÜTGENBACH

Der See von Bütgenbach machte es den Crews nicht leicht: Der Wind drehte über den ganzen Tag, ein Vorteil war nie von Dauer. Am Samstag wurde von 10.30 Uhr bis 18.00 Uhr gesegelt – allein 18 Wettfahrten an einem Tag, jedes der neun Teams segelte zehn Rennen. Das verlangte den Seglerinnen und Seglern ebenso viel ab wie dem Team an Land und auf den Begleitbooten. Am Sonntag folgten neun weitere Wettfahrten. Über das Wochenende kamen so 27 Wettfahrten zusammen, jedes Team segelte 15 Rennen. Die Siegerehrung fand um 15.30 Uhr statt.

Die ersten drei Plätze des 3. Spieltags:

1. SALTO SAILING Team Norway – Stian Kristiansen und Elliot Finnestrand
2. Alster HSC – Dirk Thalheim und Stephanie Brix
3. Team Sophia – Calle Sibbert und Sophia Hein

Endergebnis nach 27 Wettfahrten, 20. September 2026. Vollständige Ergebnisliste des 3. Spieltags bei manage2sail: https://manage2sail.com/de-DE/event/HKDC20263#!/results?classId=7f22d724-97ea-4602-9ec3-3e0b834363c7

„Ein neues Land, ein neues Segelrevier und viele spannende Regattafahrten. Belgien war für Sophia ein ganz besonderer Saisonabschluss. Ihr Highlight war, gemeinsam mit ihrem Trainer Calle segeln zu dürfen. Wir merken, wie sie von Regatta zu Regatta immer mehr mitfiebert und mit wie viel Freude und Ehrgeiz sie für ihren Sport brennt. Für uns ist es wunderschön, sie auf diesem Weg begleiten zu dürfen.“
– Sandra Hein, Mutter von Sophia

DIE GESAMTWERTUNG 2026

Gewertet wird nach dem Low-Point-System über die drei Spieltage: Die Tagesplatzierungen werden addiert, wer am wenigsten Punkte hat, gewinnt. Bei Punktgleichheit entscheidet das beste einzelne Spieltags-Ergebnis.

Die ersten vier Plätze der Gesamtwertung:

1. SALTO SAILING Team Norway – Stian Kristiansen und Elliot Finnestrand
2. Alster HSC – Dirk Thalheim und Stephanie Brix
3. BLAG Sailing Team – Alexandre Grosjean und Benoît Lumay
4. Die Zwei – Jürgen Brietzke und Siegmund Mainka

Endstand der Gesamtwertung 2026. Gewertet wird die Summe der drei Spieltagsplatzierungen. Vollständige Gesamtliste mit allen 21 Teams bei manage2sail unter Dokumente: https://manage2sail.com/de-DE/event/HKDC20263#!/onb?tab=documents&classId=7f22d724-97ea-4602-9ec3-3e0b834363c7

Die norwegische Crew Salto war die konstanteste der Saison: Platz zwei in Hamburg, Sieg in Sassnitz, Sieg in Bütgenbach. Rang zwei ging an das Team Alster HSC des Hamburger Segel-Clubs mit Dirk Thalheim und Stephanie Brix, Rang drei an das BLAG Sailing Team der belgischen Gastgeber mit Alexandre Grosjean und Benoît Lumay. Team Sophia beendete die Saison als Neunter der Gesamtwertung.

„Anspruchsvolle Bedingungen – aber wir würden es nicht anders wollen. Eine großartige Regatta!“
– Stian Kristiansen, Skipper SALTO SAILING Team Norway

GASTGEBER IN BELGIEN

Ausgerichtet hat das Finale der Royal Yacht Club Warche: ein kleiner Club, der mit einem großen Team ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer über Tage ein komplettes Regattawochenende vorbereitet hat – neben dem laufenden Clubbetrieb. Diese Gastfreundschaft ist das, was neben den Ergebnissen von Bütgenbach bleibt. Hauptorganisator vor Ort war Alexandre Grosjean, der zugleich als Skipper des BLAG Sailing Team an den Start ging. Das Race Committee auf dem Wasser war deutsch-belgisch besetzt, mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aus beiden Ländern – über 27 Wettfahrten hat das reibungslos funktioniert.

„Respekt und Fairplay sind Werte, die die DNA des Segelns ausmachen. Diese Regatta hat uns gezeigt, dass Segeln ein Sport ist, in dem auch Inklusion ihren Platz hat.“
– Eric Mathieu, Präsident des Royal Yacht Club Warche

Grußworte zur Siegerehrung sprachen Sonja Fickers vom Management des Small Project Fund „People to People“ bei der Euregio Maas-Rhein, über den das Finale gefördert wurde, und Kathy Elsen von der Gemeinde Bütgenbach. Beide begrüßten die Gäste und dankten allen beteiligten Partnern dafür, dass dieser Spieltag in Belgien möglich geworden ist.

AUSBLICK AUF 2027

„Der Heinz Kettler Deutschland Cup zeigt, dass Inklusion im Sport dann besonders überzeugend ist, wenn sie selbstverständlich wird: gleiche Boote, gleiche Wettfahrten und eine gemeinsame Wertung. Dass wir mit dem Finale in Belgien erstmals über Deutschland hinausgegangen sind, ist deshalb für uns ein wichtiger nächster Schritt. Wir wollen die Serie gemeinsam mit unseren Partnern langfristig weiterentwickeln, international stärker vernetzen und damit noch mehr Menschen mit und ohne Behinderung für den gemeinsamen Segelsport begeistern. Die Heinz Kettler Stiftung wird diesen Weg auch künftig nachhaltig unterstützen.“
– Andreas Sand, Vorstand der Heinz Kettler Stiftung

Die Serie geht 2027 in ihre fünfte Saison. Geplant ist ein Spieltag beim Yachtclub Möhnesee, der die Serie gemeinsam mit der Heinz Kettler Stiftung und Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. gegründet hat. Gesetzt ist außerdem ein Spieltag vom 10. bis 12. August 2027 in Sassnitz, parallel zum SailGP und in Kooperation mit dem Germany SailGP Team.

PARTNER UND FÖRDERER

Namensgeberin und Hauptförderin der Serie ist die Heinz Kettler Stiftung. Gründer und Initiatoren sind der Yachtclub Möhnesee, die Heinz Kettler Stiftung und Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. Ausrichter des 1. Spieltags war der Hamburger Segel-Club, Ausrichter des Finales der Royal Yacht Club Warche. Der 1. Spieltag in Hamburg wurde von Hamburg Active City unterstützt, der 2. Spieltag in Sassnitz, der parallel zum SailGP gesegelt wurde, vom Germany SailGP Team presented by Deutsche Bank, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und vielen weiteren Förderern. Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. ist Purpose Partner des Germany SailGP Teams. Das Finale in Bütgenbach wurde im Rahmen des Small Project Fund „People to People“ Interreg Maas-Rhein (NL-BE-DE) durchgeführt und von der Europäischen Union gefördert.

ÜBER DEN HEINZ KETTLER DEUTSCHLAND CUP

Der Heinz Kettler Deutschland Cup ist die erste und einzige nationale inklusive Regattaserie Deutschlands. Erstmals ausgetragen 2023, ging die Serie 2026 in ihre vierte Saison.

Die Boote der Klasse RS Venture Connect stellt der Veranstalter – kein Team muss ein eigenes Boot besitzen oder transportieren. 2025 wurde erstmals eine inklusive Regatta in Sassnitz parallel zum SailGP gesegelt; im selben Jahr wurde das Heinz Kettler Inclusive Youth Sailing Team Germany gegründet, in dem junge Seglerinnen und Segler mit und ohne Behinderung gemeinsam für den Regattasport ausgebildet werden.

Die 1999 gegründete Heinz Kettler Stiftung setzt den Inklusionsgedanken zwischen Freizeitsport und Behindertensport in die Praxis um und fördert Projekte auf regionaler und Bundesebene – ohne Beschränkung auf Sportart, Alter oder Geschlecht.

PRESSE-SERVICE

Pressebilder vom Finale in Bütgenbach – ausgewählte Motive, honorarfrei zur redaktionellen Verwendung: https://www.flickr.com/photos/svenjjj/albums/72177720335699707

Bildnachweis bei Veröffentlichung: © Sven Jürgensen / Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V.

PRESSEKONTAKT

Sven Jürgensen
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