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Auf Biegen und Brechen / Von Heinz Gläser

Am Mittwoch kapitulierten die Veranstalter der Ironman-WM auf Hawaii und strichen ihr ohnehin schon auf Februar verschobenes Ausdauerspektakel aus dem Wettkampfkalender. Am Freitag nun fielen die für diesen Herbst in China geplanten Tennisturniere der Pandemie zum Opfer. Die Flut der Absagen will nicht enden. Sie reißt in vielen Fällen auch das wirtschaftliche Fundament mit, auf dem diese Ereignisse ruhen. Das gilt national wie international, regional wie lokal. Der kommerziell betriebene Sport tastet sich im Zuge der allgemeinen Lockerungen an das derzeit Mögliche und Machbare heran. Mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Während der Profifußball, wie stets vom Glück geküsst, mit seinen Hygienekonzepten bislang weitgehend reüssiert, geriet die Adria-Tour der Tennis-Stars zum Fiasko. Es hagelte weltweit Kritik, sogar der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung stand im Raum. Es bleibt ein Drahtseilakt. Sicherlich wäre es gesamtgesellschaftlich betrachtet ein wichtiges Signal, wenn auch der Sport Schritt für Schritt in eine wie auch immer geartete Normalität zurückfinden würde. Sozialpsychologisch ist dieser Effekt nicht zu unterschätzen. Doch wächst die Absturzgefahr. Finanzielle Interessen beginnen das Tempo der Öffnungen zu diktieren. Das ist angesichts der grassierenden Existenznot im Profisport weder verwunderlich noch verwerflich. Zuschauerträchtige Leibesübungen wie Fußball oder Tennis preschen vor. Sponsoren und Fernsehsender üben Druck aus. So in den vom Virus besonders gebeutelten Vereinigten Staaten. Die US Open in Flushing Meadows sollen ab Ende August offensichtlich auf Biegen und Brechen durchgezogen werden, wenn auch ohne Zuschauer auf den Tribünen. Dabei stehen hinter dem Grand-Slam-Turnier riesengroße Fragezeichen. Wie etwa soll das Stelldichein der globalen Tennis-Elite vor dem Hintergrund der weiterhin geltenden Reisebeschränkungen zu bewerkstelligen sein? Hierzulande hatte der überraschend reibungslose Ablauf der Geisterspiele offenbar infektiösen Charakter. Schon grassiert der Übermut. Zuschauer – zumindest einige – mögen bereits ab September die monatelang verwaisten Stadien bevölkern, so lautet die kühne Vision der Deutschen Fußball Liga (DFL). Bei allem Respekt vor der Art und Weise, wie die milliardenschwere Unterhaltungsbranche ihren Neustart erfolgreich in Szene gesetzt hat: Schülerinnen und Schüler weiterhin temporär vom Unterricht auszusperren und gleichzeitig die Tore für ein vergleichsweise belangloses Wochenendvergnügen zu öffnen, wäre aberwitzig. Dem Profifußball Verantwortungslosigkeit vorzuwerfen, ginge zu weit. Aber hier fehlt schlicht das Augenmaß. Daran ändert auch nichts, dass Teile der Politik die Pläne mit Blick auf das Millionenheer darbender Fans gutheißen. Für diejenigen Sportarten, die ökonomisch ein weit kleineres Rad drehen, ist die Zuschauerfrage derweil existenziell. Die Probleme der Eishockeyspieler, Volleyballer und Handballer gleichen denen in der Gastronomie. Teilöffnungen der Arenen mit Abstands- und Maskengeboten verheißen kaum Linderung. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel: Vor diesem Dilemma stehen im Fall einer Fortdauer der Einschränkungen primär die Hallensportarten. Zu Beginn der Corona-Krise war allenthalben zu hören, die Pandemie werde bei allem Ungemach im Profisport aucheine reinigende Wirkung entfalten, ihre Folgen würden finanziellen Exzessen wie im Profifußball Einhalt gebieten. Noch versuchen einige Sparten, ihr Geschäftsmodell weiter aufrechtzuerhalten. Zur Not ohne Rücksicht auf ihre Fans, wie es scheint.

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